Gesundheitspolitik und Perspektiven Drucken E-Mail
Dr. Josef Probst, Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

22. Oktober 2008

Eine Magnetresonanz innerhalb einer Woche, ein Besuch vom Hausarzt noch am gleichen Tag: eine Reihe von internationalen Umfragen bestätigen, dass Österreich hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem im Spitzenfeld liegt - nirgendwo werden Patienten schneller behandelt und besser versorgt als in unserem Land. Von außen stellt das österreichische Gesundheitssystem ein rundes und gelungenes Bild dar, so gleich zu Beginn seines Vortrages am MCI von Dr. Josef Probst - Generaldirektor-Stellvertreter beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zu dem Thema "Gesundheitspolitik und Perspektiven". Mit rund 10,1 % des Bruttoinlandsproduktes liegt Österreich international gesehen mit seinen Gesundheitsausgaben im Spitzenbereich der OECD-Staaten. Für 2007 betrugen diese etwa 26 Mrd. Euro. Finanziert wird überwiegend durch ein regressives Finanzierungssystem mit Beiträgen und Selbstbehalten.
Doch wie stellt sich ein Gesamtblick auf die Finanzsituation der österreichischen Krankenversicherungen genau dar? Die Geldausgaben lassen sich zu etwa 75 % in 3 Kanäle teilen: Krankenanstalten, Medikamente und die ärztliche Hilfe. Die Finanzlage der Kassen befindet sich konstant in den roten Zahlen. Verantwortlich für das große Finanzloch der Kassen sind eine überproportionale Steigerung der Versicherungsleistungen und geringere Einnahmen von Beitragszahlungen durch die Senkung der Lohnquoteneinnahmen von 75 % auf 64 %. So bleibt die Beitragsentwicklung der Kassen hinter der volkswirtschaftlichen Entwicklung zurück. Zudem kamen noch gesetzliche Maßnahmen, die zwar zu einer Entlastung des Bundesbudgets führten, aber zu Lasten der Kassen gingen, sowie deutlich gestiegene Medikamentenkosten.

Welche Handlungsnotwendigkeit ergibt sich daraus für die Gesundheitspolitik? Untersucht werden in diesem Zusammenhang die Ziele des Gesundheitssystems: Klar zu erkennen ist, dass das Ziel weg von einer rein krankheitsorientierten Versorgung hin zu einer Gesundheitsversorgung gehen soll, die Menschen in allen Lebensabschnitten erfassen muss. Mit dem Ziel eine bessere Koordination und Organisation aller Beteiligten herbeizuführen, müssen dafür Werte und Kompetenzen entwickelt und Ressourcen auf oberster Ebene bereitgestellt werden, um grundlegend an diesem Thema zu arbeiten. Ein Steuerungs- und Managementmangel führt zwar nicht zu einer schlechteren Behandlung, aber zu erhöhten Ausgaben des Systems: ein Luxus, den wir uns in Österreich derzeit leisten. Eingefordert werden in diesem Zusammenhang daher auch einheitliche Gesundheitsziele in Österreich, eine erhöhte Transparenz im Gesundheitssystem und verstärkte universitäre Forschung und Lehre. Wünschenswert, so Dr. Probst zum Abschluss, wäre ein kritisches Innehalten, bevor weitere Ressourcen in das bestehende System gesteckt werden.

Nähere Informationen und Rückfragen:
Mag. (FH) Ulrike Fuchs
Leiterin
Marketing & Communication
+43 512 2070-1510
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Dr. Josef Probst, Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
Foto: © MCI, Abdruck nur nach ausdrücklicher Genehmigung
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von links:

Dr. Andreas Altmann (MCI-Geschäftsführer), Helmut Heckenstaller (Beauftragter des Vorstandes der Techniker Krankenkasse, München), HR Dir. Dipl.-Kfm. Heinz Öhler (Direktor Tiroler Gebietskrankenkasse), Dr. Josef Probst (Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger), Michael Huber (Obmann Tiroler Gebietskrankenkasse), Dr. Erwin Webhofer (Tiroler Landesregierung, Vorstand Abteilung Krankenanstalten), Dr. Siegfried Walch (Studiengangsleiter am MCI) - Foto: © MCI, Abdruck nur nach ausdrücklicher Genehmigung