21. November 2019

Medien, Internet & Gesellschaft.

Im Rahmen der Vortragsreihe von MCI Alumni & Friends freute sich die Unternehmerische Hochschule® auf den Besuch von Markus Breitenecker, CEO, ProSiebenSat.1 PULS 4 in Wien.

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Markus Breitenecker bei seinem spannenden Vortrag am MCI.

© MCI

Marktmacht der Internet-Riesen gefährdet nicht nur europäische TV-Sender, sondern auch die Demokratie.

Sein TV-Sender sei ein Game Changer*, startet Markus Breitenecker, CEO des österreichischen Privatfernsehsenders PULS 4, in seinen Vortrag am MCI. Ziel sei es, die Transformation eines klassischen Fernsehsenders in ein modernes digitales Unternehmen zu gestalten. Die lineare Programmgestaltung soll sukzessive in ein mobil abrufbares On-Demand-Angebot umgebaut werden.

Mit seiner Mischung aus Entertainment und Information, sogenannten „Public Value Formaten“, ergänzt von Life-Sport und heimischen Show- und Filmproduktionen („Local Shows“) überzeugt der Sender seit 15 Jahren das österreichische Publikum. Die eigentliche Herausforderung sei jedoch, „Contentproduktion weiterhin ausschließlich durch Werbung zu finanzieren, wenn es gleichzeitig Unternehmen gibt, die ihre Beiträge kostenlos erhalten und außerdem Werbeumsätze in beträchtlichem Umfang lukrieren“, beschreibt er die existenzielle Problematik, mit der sich Fernseh- und Programmacher derzeit auseinandersetzen. Die Konkurrenz kommt nämlich nicht mehr von anderen Fernsehsendern, sondern aus dem Internet: Internetriesen wie Google, Youtube, oder facebook zählen längst zu den Contentanbietern, verfügen jedoch über deutliche Privilegien gegenüber ihren Mitbewerbern: Sie stützen sich beispielsweise auf das Hostprovider-Privileg, was bedeutet, dass sie für Inhalte auf ihren Plattformen keine Haftung übernehmen. Die Beiträge erhalten sie kostenlos, und zudem lukrieren sie beträchtliche Werbeeinnahmen. Klassische Fernsehsender hingegen beschäftigen Redaktionen und Produktionsteams, die Finanzierung erfolgt durch Werbeeinnahmen sowie – bei den öffentlich- rechtlichen Sendern – auch durch Gebühren. Darüber hinaus unterliegen die Fernsehsender einem wesentlich engeren gesetzlichen Regelwerk.

Die enorme Marktmacht der Internet-Riesen bedrohe nicht nur die Existenz von Fernsehsendern, sondern könne sogar als demokratiegefährdend eingeschätzt werden, erklärt Breitenecker: „Polarisierende Beiträge auf Social Media werden viel stärker geteilt und geliked, sie erhalten eine höhere Reichweite und mehr Werbung. Auf diese Weise verteilt sich die Information weg von der Mitte hin zu den Extremen.“

Auswege aus der Misere gäbe es durchaus. Diese erforderen aber ein Zusammenrücken der Fernsehsender: „Wir müssen aufhören, den Feind zu füttern. Wir dürfen unsere Inhalte nicht weiter kostenlos an Facebook oder Youtube verschenken.“ Um den amerikanischen Internet-Riesen die Stirn zu bieten, sollen Kräfte gebündelt werden, um eigene europäische Social Media-Plattformen zu entwickeln. Zur Finanzierung sollen die Beiträge der öffentlich-rechtlichen Sender herangezogen werden.

*„Gamechangers“ heißt gleichzeitig eines der erfolgreichsten Formate des Privatsenders. Es handelt sich um eine multidimensionale Plattform, die unterschiedlichste Menschen, Unternehmen und Produkte aus der ganzen Welt zusammenbringt, um daraus neue Ideen und neue Dynamiken zu entwickeln.

PULS 4

PULS 4 ist ein österreichischer Privatfernsehsender Der „4“-er im Namen bezieht sich darauf, dass es sich um das vierte österreichweite Vollprogramm mit eigenen Nachrichten handelt. Erstmals ging PULS 4 2004 auf Sendung (damals noch als Puls TV). 2007 wurde der Sender von ProSiebenSat.1 übernommen.

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