19. Oktober 2015

Öffentliche Finanzen und Verschuldung.

Österreich, Italien, Griecheland... - Wo stehen wir in Europa?
Dr. Konrad Pesendorfer, Generaldirektor, Statistik Austria

Im Rahmen der Vortragsreihe MCI Alumni & Friends konnte die Unternehmerische Hochschule® Dr. Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria, begrüßen, welcher in einem inspirierenden Vortrag die Folgen der Eurokrise und Europas Lehren daraus beleuchtete.

Die Auswirkungen der 2009 in der Europäischen Union ausgebrochenen Wirtschaftskrise ließen sich laut Volksökonom und Statistikexperten Pesendorfer insbesondere in der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts (BIP) sowie der Arbeitslosenquote ablesen. So sank das BIP in den Krisenjahren deutlich, wobei der Rückfall in Österreich geringer als im EU-Raum ausfiel. Während Österreich bereits wieder das Niveau vor der Krise erreicht habe, liege das BIP-Wachstum innerhalb der EU aber noch unter diesem Schnitt. Auch kam es während der Wirtschaftskrise zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und es sei noch nicht gelungen, diese zurückzuführen. Wenngleich Österreich bereits vor der Krise eine relativ günstige Ausgangsposition in Bezug auf seine Arbeitslosenquote einnahm und diese niedrig halten konnte, werden uns auch in den nächsten Jahren steigende Beschäftigungslosenzahlen begleiten.

Dem Rückgang des BIP sowie dem Anstieg der Arbeitslosenquote begegneten die EU-Staaten mit einer Reihe von Maßnahmen, die wiederum die Staatsausgaben deutlich stiegen ließen. Dem zur Folge sehen sich die EU-Länder nun damit konfrontiert, ihre Schuldenstände deutlich senken zu müssen und sind daher gezwungen, mitunter unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen.

Nichtsdestotrotz habe der Einsatz der öffentlichen Finanzmittel während der Wirtschaftskrise diese maßgeblich abgefedert. Es sei aber zu einer stärkeren Regelbindung der einzelnen Mitgliedsstaaten durch die EU gekommen. Dem stehe er kritisch gegenüber, so der Generaldirektor der Statistik Austria. Um die Handlungsfähigkeit der EU zu steigern und somit in Zukunft für Krisen besser gerüstet zu sein, müsse man Regeln lockern und wieder mehr Flexibilität zulassen. Dazu bedürfe es einer Verschiebung von Kompetenzen weg von den Mitgliedsstaaten hin zur Europäischen Union.

Man habe bereits während der Krise versucht, korrigierend in verschiedenen Bereichen einzugreifen. So wurden beispielsweise im Bereich der Finanzmärkte die grenzüberschreitenden Bankenaufsicht ins Leben gerufen sowie verstärkten Mindestkapitalvorschriften für Banken festgeschrieben. Auch im Bereich der Fiskalpolitik wurde auf EU-Ebene mehrere Verordnungen und Richtlinien erlassen, welche die frühzeitige Erkennung von Indikatoren eines Wirtschafsrückganges besser erkennen ließen. Pesendorfer kritisierte aber, dass der Erfolg dieser Eingriffe insbesondere von der Erfüllung qualitativer Zahlen abhängig gemacht wurde. Vielmehr müsse man jedoch den Fokus auf die Qualität der öffentlichen Finanzen und Wert auf eine verbesserte Datenbasis sowie einheitlicher Standards zur Messung dieser legen.

Die anschließende angeregte Diskussion wurde von MCI-Rektor Andreas Altmann moderiert und schloss den äußerst gelungenen Vortrag ab.

Einladung_Pesendorfer5.pdf

MCI_Innsbruck_Statistik_Austria.pdf