06. April 2016

Familienpolitik und ihre Herausforderungen.

Dr. Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familien und Jugend, Wien

Im Rahmen der Vortragsreihe von MCI Alumni & Friends begrüßte die Unternehmerische Hochschule® die Bundesministerin für Familien und Jugend, Frau Dr. Sophie Karmasin aus Wien.

Karmasin ist parteiunabhängige Familienministerin. Vorher war sie 20 Jahre als Motivforscherin tätig und beschäftigte sich mit den Bedürfnissen, Träumen und Sorgen von Frauen und Familien. Auf die Eisbrecherfrage von MCI-Rektor Andreas Altmann wie es zu der Entscheidung kam, von einer erfolgreichen Unternehmerin in die Politik zu wechseln, entgegnete sie: „Das ist eine Frage, für die ich nicht viel Zeit hatte, nämlich insgesamt nur 23 Stunden.(…) Letztendlich am Ende des Tages, nämlich um 15.30 Uhr musste ich mich entscheiden und habe mich für die emotionale Entscheidung entschieden, nämlich auf mein Bauchgefühl zu hören.“

Österreich sei noch nicht das familienfreundliche Land wie sie sich das vorstellen würde. Ganz klar formulierte sie ihre politischen Ziele. Österreich solle, müsse und werde das familienfreundlichste Land Europas bis 2025 werden. „Kinderbetreuung ist in Österreich noch keine Selbstverständlichkeit“, so Karmasin. So mangle es an Plätzen, Flexibilität und Qualität vieler Kinderbetreuungsstätten. Daher wäre für sie ein ganz zentraler Schwerpunkt, Kinderbetreuung in allen Facetten zu entwickeln. Um dies zu erreichen, werde laut Karmasin heuer die bisher größte Ausbauoffensive des Bundes gestartet werden. 305 Mio. Euro werden laut der Familienministerin investiert werden, um bessere Bedingungen zu garantieren.

Karmasin bricht mit den vorherrschenden Klischees. So wehrte sie sich gegen das Stereotyp einer klassischen Familienkonstellation, in der der Vater berufstätig ist und die Mutter sich um die Kinder kümmert und damit ihre eigene berufliche Karriere aufgibt. Dieses System würde gegen Lebensqualität sprechen. Beide Geschlechter sollten laut Karmasin die Möglichkeit haben, sich frei für die Erziehung oder Karriere zu entscheiden. Politik dürfe nicht vorschreiben, wie eine Familie auszusehen habe. Für Karmasin sei Familie viel eher ein Wertekonstrukt beruhend auf Vertrauen, Solidarität und Zusammenhalt. Gesetzliche Bedingungen seien für sie sekundär.

Seit Neuestem arbeite sie an einem Bildungskompass. Dieser soll Kinder auf Stärken und mögliche Nachschulungsmomente überprüfen und optimal individuell begleiten. Abschließend stellte Karmasin das von ihr im März letzten Jahres gegründete Projekt „Unternehmen für Familien“ vor, ein Netzwerk mit bisher 200 Familienunternehmen sowie 30 Gemeinden. Ziel sei es Best Practice Beispiele vorzustellen, in welchen die Vereinbarkeit von Familie und Karriere gelebt werden. „Das Thema Familienunternehmen ist mir ein besonderes Anliegen“ so die Familienministerin.

In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von MCI-Rektor Dr. Andreas Altmann betont Karmasin, dass im Durchschnitt Frauen unbezahlt mehr als Männer arbeiten und dass sie sich dafür einsetzen werde, die Gleichbehandlung beider Geschlechter zukünftig voranzutreiben.

Einladung_FBM_Karmasin3.pdf

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