Im Rahmen der Distinguished Guest Lecture Series begrüßte MCI | Die Unternehmerische Hochschule® mit Clemens Pig einen der profiliertesten Medienmanager des deutschsprachigen Raums. Pig ist geschäftsführender Vorstand der APA – Austria Presse Agentur, Vizepräsident des Verwaltungsrates der Schweizer Nachrichtenagenturgruppe Keystone-SDA sowie Präsident des Österreichischen Genossenschaftsverbandes.
Zur Veranstaltung begrüßte MCI Rektor Andreas Altmann zahlreiche Gäste aus Medien, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, wobei unter anderem Barbara Thaler, Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol und MCI Alumna, Gerhard Mangott, Professor für Politikwissenschaft, und weitere Partner und Medien der Einladung des MCI folgten.
In seinem Vortrag zum Thema „Welt ohne Wahrheit: Demokratie verteidigen in der neuen Welt- & Kommunikationsordnung“ spannte Pig einen eindrucksvollen Bogen von den historischen Wurzeln unabhängiger Nachrichtenagenturen bis hin zu den aktuellen Herausforderungen durch Plattformökonomie, Künstliche Intelligenz und digitale Desinformation.
Medienfreiheit als Fundament der Demokratie
Freie Medien seien eine Grundvoraussetzung für offene Gesellschaften, betonte Pig. Historisch betrachtet seien Medien und unabhängige Informationsstrukturen genau deshalb häufig die ersten Ziele autoritärer Systeme gewesen. Das Prinzip „Democracy Dies in Darkness“ – zugleich Titel seiner Buchreihe – beschreibe diesen Zusammenhang besonders eindrücklich: Dort, wo staatliche Zensur beginne und Medien „der Stecker gezogen“ werde, gerate Demokratie unmittelbar unter Druck. Wenn es den Medien nicht gut gehe, so Pig, gehe es letztlich uns allen nicht gut.
KI und die neue Kommunikationsordnung
Besonderes Augenmerk richtete Pig auf die tiefgreifenden Veränderungen der Medienlandschaft durch digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz. Neue Plattformen hätten in den vergangenen Jahren zahlreiche Geschäftsmodelle klassischer Medien verändert sowie Macht und Märkte neu organisiert. Mit KI entstehe nun eine weitere Dimension der Herausforderung und sie sei mittlerweile selbst zur ersten Leserin journalistischer Inhalte geworden.
Entscheidend sei jedoch, technologische Entwicklungen nicht abzulehnen, sondern ihnen klare gesellschaftliche Regeln zu geben. Sich von davon abzuwenden, sei keine Option. Vielmehr müsse es darum gehen, sich das Internet wieder „zurückzuerobern“ und digitale Räume aktiv im Sinne demokratischer Werte mitzugestalten.
Europas Verantwortung und der Blick nach vorn
Trotz aller heutigen Herausforderungen zeigte sich Pig optimistisch. Gerade Europa verfüge über entscheidende Stärken und nannte als USPs drei zentrale Elemente: Demokratie, regelbasierte Prozesse und Kooperation. Diese Prinzipien müssten nun auch auf den digitalen Raum übertragen werden, wofür es eine gemeinsame Strategie für digitale und soziale Medienräume nach europäischen Spielregeln brauche. Qualitätsjournalismus müsse dabei weiterhin eine tragende Rolle spielen.
Zugleich plädierte Pig für mehr Medienkompetenz und ein stärkeres Bewusstsein für Informationsherkunft und Qualität. „Wer ist wirklich die Quelle?“ sei eine der wichtigsten Fragen in einer zunehmend digitalen Welt. Eines bleibe dabei klar: Unabhängige Medien und eine funktionierende demokratische Gesellschaft seien untrennbar miteinander verbunden.
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