13. Oktober 2020

TikTok: Vom riesen Fan zum Abstinenten

MCiT Insights – Part 2: Masterstudent Daniel Celeschi geht der Videoplattform TikTok auf den Grund

Management, Communication and IT Master Student Daniel Celeschi erzählt im Interview vom Phänomen TikTok
v.l.n.r. Susann Kruschel, MCiT Masterstudent Daniel Celeschi und Rebecca Agerer trafen sich zum Interview auf der Dachterrasse des MCI II und unterhielten sich zum Phänomen TikTok. Foto: Arno Rottensteiner

Während des Lockdowns hat sich unser Management, Communication and IT Masterstudent Daniel Celeschi die TikTok App aus Langeweile heruntergeladen. Die Videoplattform wird in den Himmel gelobt – riesige Reichweiten, jeder kann viral gehen usw. Das wollte er selbst ausprobieren! Gesagt, getan! Die Millionenmarke an Views war im Nu geknackt.

Daniel, was genau reizt Dich an TikTok?

In der Marketingbranche ist die Gefahr groß, dass man der sogenannten Zahlenkrankheit verfällt: immer größere Reichweiten, mehr Likes, mehr Kommentare. TikTok ist dafür natürlich der perfekte Kanal, weil man die Chance hat, sehr schnell zu wachsen und Ideen direkt messbar umzusetzen. Auf TikTok kann man ein Video machen und am nächsten Morgen sind es plötzlich 10.000 Follower mehr. Das ist das faszinierende an dieser Plattform!

Dein TikTok Account war mit knapp 28.000 Followern und über 4 Mio. Views sehr erfolgreich. Wie hast Du es geschafft, viral zu gehen?

Ich habe Techniken genutzt, die dem Algorithmus gefallen. Hier kann man z.B. Diskussionen anregen oder Leute dazu animieren, den Account zu abonnieren, weil sie auf die Fortsetzung oder Auflösung eines vorangegangenen Videos warten. Die Videos sollen generell möglichst kurz und prägnant sein. So werden sie öfter angeschaut und seltener übersprungen.

Siehst Du Dich selbst als Influencer?

Nein, ein solcher bin ich nicht. Ein Influencer ist ja per Definition ein Meinungsmacher. Ich sehe mich hingegen eher als Content Creator. Ich lade etwas ins Internet hoch, was die Leute zwar konsumieren, aber nicht zwangsläufig ihre Meinung beeinflusst. Influencer sind für mich z.B. Lifestyle Blogger.

Fühlst Du Dich trotzdem für Deine Follower und Community verantwortlich?

Zum Teil schon, denn das, was ich sage, kann schon Einfluss auf jemanden haben. Das war u.a. auch der Grund, warum ich auf TikTok den Content meines Podcasts mindhack2go aufgegriffen habe und keine reinen Unterhaltungsinhalte. Ich wollte jungen Leuten etwas Sinnvolles mit auf den Weg geben.

Trotz Deines Erfolgs auf TikTok, hast Du den mutigen Entschluss gefasst, damit aufzuhören. Was waren Deine Beweggründe für diese Entscheidung?

Einer meiner größten Kritikpunkte an TikTok ist, dass die Plattform seine User süchtig macht! Sie ist diesbezüglich einfach perfekt aufgebaut. Es ist permanent neuer Content verfügbar, sodass die App schnell die gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Obwohl ich mir dessen bewusst war, habe ich trotzdem viel zu viel Zeit auf der Plattform verbracht. Ich bin eher der Typ, der tiefer in eine Materie einsteigen möchte. Auf TikTok ist das nicht möglich. Es geht hier mehr um kurze Hacks, schnelllebige Unterhaltung und allgemein möglichst viralen Content. Außerdem ist es mit sehr viel Aufwand verbunden, obwohl die Videos nur einige Sekunden lang sind. Um über TikTok Einkommen generieren zu können, müsste man theoretisch täglich mehrere Videos hochladen. Das ist langfristig einfach nicht das, was ich machen möchte.

Wie wichtig ist Dir bewusster Medienkonsum?

Bewusster Medienkonsum ist mir persönlich sehr wichtig. Ich versuche seit Jahren diesen kontinuierlich zu reduzieren. Bei den meisten Apps deaktiviere ich die Benachrichtigungen. Bei TikTok hingegen entschied ich mich für einen klaren Cut. Ich stellte fest, dass ich immer mehr Zeit auf der Plattform verbrachte, ohne, dass diese mir einen wirklichen Mehrwert bot.

Was möchtest Du jungen Leuten in Bezug auf einen bewussten Medienkonsum mit auf den Weg geben?

Grundsätzlich ist Social Media nichts Schlechtes. Es hängt immer davon ab, wie man damit umgeht. Es ist schon in Ordnung, einen Teil seiner Zeit auf Social Media zu verbringen. Allerdings sollte man schon hinterfragen, ob es sich wirklich lohnt während seiner Ferien auf TikTok und Co. „abzuhängen“.

Vielen Dank für dieses spannende und ehrliche Interview, Daniel!

Kontakt
FH-Prof. Dr. Peter J. Mirski | Leiter Department & Studiengang Bachelorstudiengang Management, Communication & IT
FH-Prof. Dr. Peter J. Mirski Leiter Department & Studiengang