Vom 4. bis 7. September 2026 brachte der 9. World One Health Congress (WOHC) in Lissabon ExpertInnen aus Wissenschaft, Praxis und Politik zusammen, um aktuelle Herausforderungen an den Schnittstellen zwischen menschlicher, tierischer und ökologischer Gesundheit zu diskutieren. Als einer der führenden internationalen Kongresse im Bereich One Health bot der alle zwei Jahre stattfindende WOHC eine zentrale Plattform für den interdisziplinären Austausch zu aktuellen wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklungen. Mit Teilnehmenden aus 97 Ländern unterstrich der Kongress dabei seinen globalen Charakter. Mit dabei war auch Amelie Sigge, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Center for Social & Health Innovation (CSHI) des MCI I Die Unternehmerische Hochschule® und Doktorandin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sowie Absolventin des Bachelorstudiengangs in Nonprofit-, Sozial- und Gesundheitsmanagement und des Masterstudiengangs International Social & Health Management am MCI. Im Rahmen ihrer Kongressteilnahme besuchte sie wissenschaftliche Vorträge, unterschiedliche Diskussionsformate, Poster-Sessions sowie interaktive Workshops. Dabei nutzte sie die Gelegenheit zum internationalen Austausch rund um One Health und ihr Forschungsthema – die Prävention mückenübertragbarer Infektionskrankheiten in Österreich.
One Health basiert auf der Erkenntnis, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen eng miteinander verbunden und voneinander abhängig ist (One Health High-Level Expert Panel et al., 2022). Komplexe Gesundheitsherausforderungen sollten daher nicht isoliert betrachtet, sondern unter Einbeziehung unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen und gesellschaftlicher Bereiche adressiert werden.
Mückenübertragbare Infektionskrankheiten sind dabei ein anschauliches Beispiel für solche One-Health-Zusammenhänge. Denn auch in Österreich beeinflussen etwa klimatische und ökologische Veränderungen das Vorkommen von Stechmücken und damit verbundene Infektionsrisiken. Beim bereits in Europa vorkommenden West-Nil-Virus zeigt sich das Zusammenspiel von Umwelt, Tier und Mensch besonders deutlich, da das Virus zwischen Vögeln und Stechmücken zirkuliert und auch Menschen infizieren kann. Wie aktuell das Thema für Österreich ist, zeigen die ersten lokal erworbenen humanen West-Nil-Virus-Fälle der Saison 2026 in Wien, Burgenland und Niederösterreich [Stand 23.09.2026] (AGES, 2026).
Genau diese One-Health-Perspektive stand dabei im Mittelpunkt des World One Health Congress in Lissabon. Über vier Tage bot die Konferenz ein umfangreiches wissenschaftliches Programm mit rund 85 Sessions, darunter 25 Workshops, 22 Panels, 14 Scientific Sessions, 11 Science-Policy-Interface Sessions und fünf Plenary-Keynote-Sessions. Dabei reichte das Spektrum thematisch von Klimawandel und Ökosystemgesundheit über Infektionskrankheiten und Surveillance bis hin zu Prävention, Kommunikation und der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik. Der Kongress versteht sich dabei als internationales Forum für den Austausch aktueller Forschung sowie gesundheitspolitischer Entwicklungen im One-Health-Bereich.
Für das konkrete Forschungsprojekt am CSHI waren insbesondere jene Programmschwerpunkte relevant, die sich mit den Auswirkungen globaler Umweltveränderungen auf Infektionskrankheiten und deren Prävention beschäftigten. So widmeten sich mehrere Beiträge der Frage, wie klimatische und ökologische Änderungen die Verbreitung von Vektoren und damit verbundene Infektionsrisiken beeinflussen.
Auf dem Programm standen beispielsweise aktuelle Arbeiten zur Ökologie mückenübertragbarer Erkrankungen unter veränderten Umweltbedingungen, eine One-Health-Analyse des Chikungunya-Ausbruchs 2025 in China sowie zehnjährige Surveillance-Daten zur klimabedingten Ausbreitung von Sandmücken in Italien. Eine weitere Session beleuchtete am Beispiel Kanadas, wie sich die Arbovirus-Surveillance angesichts eines sich verändernden Klimas von der Erkennung neuer Risiken hin zu einer umfassenderen gesundheitlichen Vorbereitung weiterentwickeln lässt. Ergänzt wurden diese Perspektiven durch Sessions zu resilienten Surveillance-Systemen, Prävention, gesellschaftlicher Beteiligung sowie der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in politische Entscheidungsprozesse (Global One Health Community, 2026).
Die Kongressteilnahme knüpft dabei unmittelbar an das am CSHI angesiedelte Forschungsprojekt „Fight the Bite“ an. Denn im Rahmen ihres PhD-Projekts beschäftigt sich Amelie Sigge mit der Prävention mückenübertragbarer Infektionskrankheiten in Österreich. Hierbei untersucht sie, welche Faktoren die Wahrnehmung entsprechender Gesundheitsrisiken sowie die Umsetzung präventiver Maßnahmen bei BürgerInnen beeinflussen und welche Rolle dabei individuelle ebenso wie strukturelle Rahmenbedingungen spielen.
Der Blick über Österreich hinaus ist dabei von besonderer Bedeutung: Veränderungen in der geografischen Verbreitung von Vektoren und Erregern, klimatische Entwicklungen sowie unterschiedliche Ansätze zur Surveillance, Risikokommunikation und Prävention machen mückenübertragbare Infektionskrankheiten zu einer grenzüberschreitenden Public-Health-Herausforderung. Der internationale und interdisziplinäre Austausch beim WOHC ermöglichte es, die Forschung am CSHI in diesen breiteren, globalen Kontext einzuordnen und Erfahrungen aus unterschiedlichen Ländern und Disziplinen kennenzulernen.
Gerade diese vielfältigen Begegnungen stellten für Amelie Sigge einen besonderen Mehrwert der Kongressteilnahme dar: „Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, im Rahmen meines PhD-Projekts an einem so renommierten internationalen Kongress teilnehmen zu können. Besonders inspirierend war der Austausch mit Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Disziplinen, die sich in ihrer Arbeit mit ähnlichen globalen Gesundheitsherausforderungen beschäftigen. Dadurch wurde für mich auch der One-Health-Gedanke – unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten – besonders greifbar. Es ist ermutigend, dass so viele Personen aktuelle und komplexe Problemstellungen im Bereich Klima und Gesundheit erforschen, um der Bevölkerung eine gesündere und sicherere Zukunft zu ermöglichen. Die vielen neuen Impulse, Ansätze und Begegnungen nehme ich mit großer Motivation für meine weitere Forschung mit nach Hause.“
Gleichzeitig eröffnete der Kongress die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven auf die Verbindung zwischen individuellem Präventionsverhalten und übergeordneten strukturellen Bedingungen zusammenzuführen. Neben der Frage, wie Menschen über Gesundheitsrisiken informiert und zu präventivem Handeln befähigt werden können, rücken damit auch Surveillance-Systeme, institutionelle Preparedness, politische Rahmenbedingungen sowie die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Public Health und Bevölkerung in den Fokus.
Die gewonnenen Perspektiven fließen nun in die weitere Arbeit zu „Fight the Bite“ ein und unterstützen dabei, die Ergebnisse zur Prävention mückenübertragbarer Infektionskrankheiten in Österreich vor dem Hintergrund aktueller internationaler Entwicklungen zu reflektieren.
Die Erkenntnisse aus Lissabon finden darüber hinaus auch Eingang in die Lehre am MCI: Im Bachelorstudiengang Sozial-, Gesundheits- und Public Management wird Amelie Sigge künftig die Einführung in One Health und Interdisziplinarität gestalten. Aktuelle internationale Perspektiven und wissenschaftliche Entwicklungen vom WOHC können damit unmittelbar in die Auseinandersetzung mit One Health im Studium einfließen und gemeinsam mit Studierenden diskutiert werden.
Die Teilnahme am 9th World One Health Congress wurde durch das Cusanuswerk im Rahmen der Förderung des Promotionsvorhabens von Amelie Sigge finanziell unterstützt.
AGES. (2026). West Nil Virus. Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/west-nil-virus
Global One Health Community. (2026). Program 9th World One Health Congress. https://globalohc.org/minisite/9WOHC/program
One Health High-Level Expert Panel, Adisasmito, W. B., Almuhairi, S., Behravesh, C. B., Bilivogui, P., Bukachi, S. A., Casas, N., Cediel Becerra, N., Charron, D. F., Chaudhary, A., Ciacci Zanella, J. R., Cunningham, A. A., Dar, O., Debnath, N., Dungu, B., Farag, E., Gao, G. F., Hayman, D. T. S., Khaitsa, M., . . . Zhou, L. (2022). One Health: A new definition for a sustainable and healthy future. PLoS Pathogens, 18(6), e1010537. https://doi.org/10.1371/journal.ppat.1010537
Amelie Sigge, Dissertantin am Center for Social & Health Innovation, auf dem World One Health Congress in Lissabon gemeinsam mit anderen Forschenden und neuen Kontakten. Foto: © Sigge
Zahlreiche Paneldiskussionen und Fachvorträge mit internationalen Teilnehmenden – darunter Amelie Sigge vom MCI – beim World One Health Congress in Lissabon. Foto: © Sigge
Blick auf die Brücke des 25. Aprils als Wahrzeichen von Lissabon direkt neben der Kongresshalle Foto: © Sigge
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