16. September 2021

Check out that pic #3: Investor Memory

An der Börse kann man mehr verlieren als Geld: sein Ego.

Katrin Gödker, Peiran Jiao und Paul Smeets führten ein Laborexperiment durch, bei dem sie die Teilnehmer baten, in eine Aktie oder eine Anleihe zu investieren. Der Kauf einer Aktie kann eine gute oder eine schlechte Entscheidung sein, je nachdem, ob das betreffende Wertpapier ein Gewinnbringer oder ein Verlustbringer ist. Um die Qualität der Aktie zu beurteilen, erhielten die Teilnehmer im Laufe des Experiments zusätzliche, anekdotische Hinweise, z. B. ob der CEO des Unternehmens kompetent ist oder nicht. In diesem Prozess könnten die Anleger jedoch herausfinden, dass sie in der Vergangenheit schlechte Entscheidungen getroffen haben, was die Annahme bestätigen könnte, dass sie in der Tat keine "klugen Trader" sind.

Die Abbildung zeigt auf der y-Achse die subjektive Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Aktie ein Gewinnbringer für eine Stichprobe von Teilnehmern ist, die sich zuvor für den Kauf dieser Aktie entschieden haben. Die diagonale Linie stellt die statistisch korrekte Wahrscheinlichkeit dar, dass die Aktie ein Gewinner ist, die aufgrund der verfügbaren Informationen zugewiesen werden sollte.

Da die subjektive Wahrscheinlichkeit (Punkte) meist über der korrekten Wahrscheinlichkeit (diagonale Linie) liegt, scheinen die Anleger im Allgemeinen überhöhte Erwartungen an die Qualität ihrer Käufe zu haben. Interessanterweise scheint dies zum Teil darauf zurückzuführen zu sein, dass sich Investoren selektiv besser an Ereignisse erinnern, die ihren eigenen Status als kluge Investoren bestätigen, als an Ereignisse, die diesem widersprechen. Anleger mit einem stärkeren Erinnerungsverzerrungseffekt überschätzen die Qualität ihrer eigenen Investitionen stärker (Unterschied zwischen durchgezogener und gestrichelter Linie). Außerdem ist die Urteilsverzerrung stärker, wenn Urteile über die Qualität der erworbenen Aktien mit einer Verzögerung nach Erhalt weiterer Beweise abgegeben werden (linkes Feld), als wenn die Urteile unmittelbar danach abgegeben werden, wo das Gedächtnis wahrscheinlich eine geringere Rolle spielt (rechtes Feld).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Trader nicht nur motiviert sind, auf den Finanzmärkten Gewinne zu erzielen, sondern auch, um ein positives Selbstbild zu erzeugen. Dieser Antrieb wiederum führt zu systematischen Fehlern bei der Umsetzung von Erfahrungen in Erinnerungen, was zu weiteren Fehlentscheidungen in der Zukunft führt (siehe auch dieses Video zu diesem Thema).

 

Dieses und viele weitere Themen werden in unseren Finanzkursen in den Studiengängen Betriebswirtschaft Online, Business Administration Online und Corporate Governance & Finance Online behandelt.