26. Juli 2022

MCI's erstes Student Advocacy Seminar

Lernen, wie man einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben kann: MCI's erstes Student Advocacy Seminar mit Scholars at Risk

 

 

Regina Obexer (Leiterin des MCI Centers for Responsible Management & Social Impact), Belachew Gebrewold (Studiengangsleiter des Departments Soziale Arbeit) mit der Student-Advocacy-Seminar-Projektgruppe ©MCI/Danzl
Regina Obexer (Leiterin des MCI Centers for Responsible Management & Social Impact), Belachew Gebrewold (Studiengangsleiter des Departments Soziale Arbeit) mit der Student-Advocacy-Seminar-Projektgruppe ©MCI/Danzl

Jedes Jahr sind Tausende von Wissenschafter/innen und Pädagog/innen auf der ganzen Welt von Inhaftierung, Folter, Verfolgung und Schweigen bedroht, weil sie ihre Stimme für die Menschenrechte und gegen repressive politische Regimes erheben. Scholars at Risk (SAR) ist ein Netzwerk von Hochschuleinrichtungen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wissenschafter*innen in solchen Situationen zu helfen, indem es mit Expertinnen und Experten, Studierenden und anderen an der Hochschulbildung Beteiligten zusammenarbeitet.

MCI | Die unternehmerische Hochschule® ist 2021 dem SAR-Netzwerk beigetreten, und Studierende des Master-Studiengangs "Soziale Arbeit, Sozialpolitik & -management" waren die erste Gruppe, die im Rahmen ihrer Lehrveranstaltung "Human Rights & Inclusion" unter der Leitung von MCI-Professor und Studiengangsleiter des Departments Soziale Arbeit Belachew Gebrewold am ersten Student Advocacy Seminar des MCI teilnahm. Student Advocacy Seminars bieten Gelegenheiten für Studierende, sich für verfolgte Wissenschafter/innen einzusetzen, wobei Fälle sowie Hintergrundmaterial und Input von SAR zur Verfügung gestellt werden.

In diesem Projekt übernahmen Studierende des Studiengangs "Soziale Arbeit, Sozialpolitik & -management" den Fall von Ahmed Samir Santawy, einem Masterstudenten aus Ägypten, der an der Central European University in Wien studiert. Santawy beschäftigte sich im Rahmen seines Studiums mit den reproduktiven Rechten von Frauen, als er während eines Besuchs in Ägypten im Jahr 2021 festgenommen wurde und seither zu Unrecht inhaftiert ist. Nach einer Einführung in SAR und den Fall durch einen Gastvortrag von SAR-Koordinator Adam Braver recherchierten die Studierenden den Fall und identifizierten die Menschenrechtsverletzungen gegen Santawy. Anschließend entwickelten sie Advocacy-Strategien und einen Aktionsplan für die zukünftige Advocacy-Arbeit.

Am 16. Mai präsentierten die Studierenden die Ergebnisse ihrer Arbeit vor verschiedenen Interessengruppen. Die Präsentation war Teil des Programms "European Student Advocacy Days" und wurde online gestreamt. Die Referent/innen präsentierten zunächst Hintergrundinformationen zur politischen Lage und zur Menschenrechtssituation in Ägypten sowie zur Arabischen Charta der Menschenrechte. Die Studierenden hatten relevante Artikel aus der Arabischen Charta herausgesucht, die sich direkt auf den Fall von Ahmed Samir Santawy beziehen, z. B. die Artikel, die sich auf die akademische Freiheit, die bürgerlichen Freiheitsrechte, die Unversehrtheit der Person und die Behandlung von Menschen in Haft oder Gewahrsam beziehen. Anschließend berichteten sie über den konkreten Fall und schilderten die Umstände von Ahmed Samir Santawys Verhaftung und unrechtmäßiger Inhaftierung seit Februar 2021, seinen Prozess, der zu einer vierjährigen Haftstrafe führte, die später aufgehoben wurde, und die jüngsten Entwicklungen im Hinblick auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Die Studierenden betonten, wie wichtig die Lobbyarbeit ist, um das öffentliche Interesse an dem Fall wach zu halten und so weiterhin Druck auf die ägyptischen Behörden auszuüben, Santawy freizulassen. Auf der Grundlage ihrer Recherchen erstellten die Studierenden eine Petition auf Change.org und nutzten soziale Medien, um die Petition zu verbreiten. Sie arbeiten nun an einem Bericht für die Interessensgruppen, der die Aufmerksamkeit weiter erhöhen soll. Außerdem erstellten sie ein kurzes Video über ihre Definition von Freiheit und einen Aktionsplan für künftige Kampagnen, einschließlich Ideen wie ein großes Banner am Universitätsgebäude und eine "Dance for Freedom"-Videokampagne in den sozialen Medien.

Das SAR-Advocacy-Seminar half den Studierenden, zu lernen, was Advocacy-Arbeit ist und was sie in der Praxis tun können, um Ahmed Samir Santawy zu helfen. Sie betonten, dass es nicht nur um den Enthusiasmus einer Gruppe von Studierenden geht, sondern um die ganze Welt, und unterstrichen, wie wichtig es ist, Bewusstsein zu schaffen und zu handeln, um Druck auf die Behörden auszuüben und die Menschen zu befreien.

Mit Unterstützung des MCI Center for Responsible Management & Social Impact und unter der Leitung engagierter Lehrkräfte werden die Student Advocacy Seminars auch im nächsten Studienjahr am MCI angeboten. Die Hilfe und das Eintreten für gefährdete Akademiker*innen ist ein wichtiger Teil der positiven gesellschaftlichen Aktivitäten des MCI und schafft Möglichkeiten und Impulse für Studierende, sich in Arbeit und Studium mit echter Wirkung zu engagieren.

Auszug aus der Petition „Freiheit für Ahmed Samir Santawy“ mit QR-Code zur Petition ©MCI/Student-Advocacy-Seminar-Projektgruppe

Statements:

"Durch das Seminar wurde ich mit Menschenrechtsverletzungen konfrontiert und fühlte mich plötzlich persönlich betroffen. Das war sehr wichtig für mich, denn jetzt weiß ich besser, wie ich mit begangenen Menschenrechtsverletzungen, die wir so oft sehen, umgehen kann und wie WIR etwas tun können: aufklären und Lobbyarbeit machen."

Katrin Braun, Studentin

 

"Mich hat die Tatsache inspiriert, dass es sich nicht um einen fiktiven Fall handelt. Der Gedanke, dass meine Arbeit eine reale Auswirkung auf einen Menschen hat, war eine große Motivation während der Arbeit daran."

Lara Krüger, Studentin

 

„Für mich war es inspirierend, die SAR-Initiative kennenzulernen und mit internationalen Studierenden und Organisationen in Kontakt zu kommen. Es war das erste Mal, dass ich an einer Kampagne / Advocacy-Strategie gearbeitet und eine Petition eingereicht habe, aber es hat mir Spaß gemacht und ich denke, ich habe durch diese Aufgaben viel gelernt.“

Dominique Mertens, Studentin

 

„Ich würde anderen Studierenden raten, dass ihre Advocacy-Aufgabe sehr wichtig ist und eine echte Wirkung hat. Auch wenn man nur einen Fall vertritt, unterstützt man die betroffene Person.“

Christine Peer, Studentin

 

„SAR ist eine sehr wichtige Initiative für Studien und Kampagnen in den Bereichen Sozialarbeit und Sozialpolitik, da die bürgerlichen und politischen Rechte weltweit zunehmend verweigert werden. Die Politik der starken Männer untergräbt die Menschenrechte in alarmierendem Tempo. Wir werden nicht weniger, sondern mehr tun, um das Bewusstsein der Weltgemeinschaft für diese beunruhigende Entwicklung zu schärfen. Dafür brauchen wir so engagierte Studierende wie unsere hier am MCI. Vielen Dank, liebe Studierende!  Denken wir an den Spruch der Bürgerrechtlerin Fannie Lou Hamer: 'Niemand ist frei, solange nicht alle frei sind'."

Belachew Gebrewold, Studiengangsleiter Department Soziale Arbeit

 

„Ich möchte den Studierenden dazu gratulieren, dass sie in kurzer Zeit großartige Ergebnisse erzielt haben, indem sie eine Reihe von Advocacy-Strategien erkundet und kreative Ideen entwickelt haben, wie sie Bewusstsein für die Situation von Ahmed Samir Santawy schaffen können. Als erste Gruppe, die an einem Student-Advocacy-Seminar teilgenommen hat, haben sie auch den Weg für künftige MCI-Seminarteilnehmer/innen geebnet, die auf ihren Erfahrungen aufbauen können. Ein herzliches Dankeschön an Belachew Gebrewold, der die Herausforderung angenommen hat und uns am MCI den Anstoß gab, in dieser wichtigen Arbeit aktiv zu werden.“

Regina Obexer, Leiterin des MCI Centers for Responsible Management & Social Impact