Mehr als 800 Besucher:innen kamen am 24. April zur Langen Nacht der Forschung an den MCI Campus Technologie & Life Sciences und erlebten einen Abend, der Wissenschaft greifbar macht. Interaktive Mitmach-Stationen, Vorträge und direkte Einblicke in laufende Forschungsprojekte luden Jung und Alt dazu ein, selbst zu erkunden, zu fragen und auszuprobieren. Eines der vielen Highlights: ein Gesundheits-Entscheidungsspiel des Centers for Social & Health Innovation (CSHI), das eine der drängendsten gesellschaftlichen Fragen in den Fokus rückte: wie wir unser Gesundheitssystem heute und in Zukunft gestalten wollen.
Mit zehn Münzen, fünf Entscheidungsstationen und einem Fallbeispiel brachte das Entscheidungsspiel die Teilnehmenden in eine Situation, welche im Alltag so vorkommen kann. Wo gehen wir bei Beschwerden hin, wie lange möchten wir auf eine Behandlung warten, und was bleibt durch unsere Entscheidungen dann für andere übrig? Das Spiel machte spürbar, dass das Gesundheitssystem kein neutraler Raum ist, sondern unsere persönlichen Entscheidungen sowie Entscheidungen im System einen Einfluss haben.
Ziel war es nicht, ein richtiges Verhalten vorzugeben. Vielmehr sollte ein Gefühl dafür entstehen, dass Ressourcen begrenzt sind, dass Entscheidungen Konsequenzen haben, und dass das System, das uns auffängt, auch gestaltet werden kann.
Am Ende lieferte ein Kontextteil Einordnung: Wer vier Münzen übrigbehielt, lag im österreichischen Durchschnitt bei den Ausgaben für ambulante und Notfallversorgung. Doch die eigentlich wichtige Frage begann erst dort: Was kann und soll ein Gesundheitssystem leisten und wie stellen wir sicher, dass es das auch in Zukunft für alle tut?
Gleichzeitig zeigte das Spiel auf, wo kluge Investitionen ansetzen können: Präventionsprogramme, die Erkrankungen vermeiden, bevor sie entstehen, sparen nicht nur Kosten – ein investierter Euro in Prävention spart schätzungsweise drei bis fünf Euro an Behandlungskosten. Eine gut ausgebaute Primärversorgung mit genügend Hausarztpraxen entlastet die teuren Notaufnahmen und sorgt dafür, dass Menschen früher und niedrigschwelliger Unterstützung erhalten. Und eine gezielte Patient:innensteuerung – etwa über die 1450-Gesundheitshotline – kann helfen, die richtigen Angebote zur richtigen Zeit zu erreichen.
Das Gesundheits-Entscheidungsspiel ist an das laufende Forschungsprojekt „Willingness-to-Pay: Einschätzung der Zahlungsbereitschaft für ambulante Leistungen in Tirol“ am CSHI angelehnt, welches sich einer politisch wie sozial bedeutsamen Frage widmet: Wie viel sind Menschen in Tirol bereit, für ambulante und notfallmedizinische Leistungen in Krankenhäusern zu bezahlen? Und was beeinflusst diese Entscheidung?
Hierfür setzt die Studie auf ein Discrete Choice Experiment (DCE) – eine Umfrage, bei der Befragten realistische Entscheidungsszenarien aus dem Gesundheitsalltag vorgelegt werden. Sie wählen zwischen verschiedenen Optionen, die sich etwa in Wartezeit, Erreichbarkeit, Art des Anbieters oder Gebührenhöhe unterscheiden. Aus diesen Präferenzen lässt sich die sogenannte Zahlungsbereitschaft (Willingness-to-Pay, WTP) ableiten: Welche Merkmale sind den Menschen bei ambulanter Versorgung besonders wichtig und ab wann verändert ein Preis ihr Verhalten?
Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, eine wissenschaftliche Grundlage für eine evidenzbasierte Diskussion über Systementlastungen zu schaffen und Fragen der Effizient, Gerechtigkeit und Zugänglichkeit im Tiroler Gesundheitssystem gleichzeitig im Blick zu behalten. Gleichzeitig soll politischen Entscheidungsträger:innen eine differenzierte Datenbasis zur Verfügung stehen: für die Bewertung von Maßnahmen zur Reduktion von Wartezeiten, zur besseren Steuerung von Patientenströmen und zur bedarfsgerechten Weiterentwicklung der Versorgung.
Mehr Informationen zum laufenden Forschungsprojekt finden sich hier.
Interessierte Teilnehmer:innen beim Gesundheits-Entscheidungsspiel ©MCI/Aaron Heimerl
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