SGPM Philosophicum 2026

Date 26.05.2026

Einsamkeit als stille Pandemie des 21. Jahrhunderts

Kürzlich fand das jährliche Philosophicum des Studiengangs Sozial-, Gesundheits- & Public Management erneut im Rahmen der MCI Sustainability Week statt. Im Mittelpunkt stand heuer das Thema „Die Einsamkeit als stille Pandemie des 21. Jahrhunderts“.

Vier Expert:innen eröffneten die Veranstaltung mit kurzen Impulsen: Georg Laich, Chefredakteur des ORF Tirol, beleuchtete die Rolle klassischer und digitaler Medien im Zusammenhang mit gesellschaftlicher Vereinsamung. Elisabeth Rathgeb, Direktorin der Caritas der Diözese Innsbruck, sprach über Einsamkeit als soziale Herausforderung und über Unterstützungsangebote für betroffene Menschen.

Christian Haring, ehemaliger Ärztlicher Leiter der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie im Landeskrankenhaus Hall und Ärztlicher Direktor der Tirol Kliniken, thematisierte psychische und gesundheitliche Dimensionen von Einsamkeit. Lothar Müller, Theologe und ehemaliger Nationalratsabgeordneter, brachte gesellschaftliche, politische und ethische Perspektiven in die Diskussion ein.

Einsamkeit wurde dabei als große psychische und gesellschaftliche Belastung sichtbar. Besonders deutlich wurde, dass sie nicht nur eine individuelle Erfahrung ist, sondern auch mit strukturellen Faktoren wie Armut, Alter, gesellschaftlicher Teilhabe und digitalen Entwicklungen zusammenhängt. Ein Schwerpunkt lag auf der Rolle von Medien und Social Media. Während klassische Medien wie der ORF als „Lagerfeuer der Nation“ gesellschaftliche Verbindung schaffen können, birgt Social Media zugleich Risiken: Echokammern, Radikalisierung und die ständige Konfrontation mit dem Leben anderer können Einsamkeit verstärken.

Phänomene wie FOMO – Fear of Missing Out, oder FOBO – Fear of Better Options – zeigen, wie stark digitale Kommunikation das Erleben von Zugehörigkeit, Vergleich und Unsicherheit beeinflussen kann. Zugleich wurde betont, dass Social Media nicht wegzudiskutieren ist. Umso wichtiger sind Medienkompetenz, barrierefreie Information und ein bewusster Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Im Zentrum der Diskussion stand auch die Frage, wie Einsamkeit begegnet werden kann. Dabei wurden vor allem konkrete Beispiele von Elisabeth Rathgeb und der Caritas genannt. Zudem wurden persönliche Kontaktpflege, Zuhören, Empathie, Selbstverantwortung und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, als zentrale Ansätze hervorgehoben. Gleichzeitig braucht es gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen, die Teilhabe ermöglichen: von Ehrenamt und Buddy-Systemen über Freiwilligenzentren bis hin zu mehr Unterstützung für ältere Menschen, etwa durch sicheres Wohnen, soziale Kontakte und alltagsnahe Hilfsangebote.

Das Philosophicum machte deutlich: Einsamkeit darf nicht tabuisiert werden. Sie betrifft Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebenslagen. Entscheidend sind soziale Kohäsion, Vertrauen, Zugehörigkeit und Räume, in denen Menschen einander begegnen können. Oder wie es im Abschlusswort von Dr. Dietmar Schennach treffend formuliert wurde: Einsam sind wir stark, gemeinsam sind wir stärker.

<p>Expert:innen teilen ihr Statement zum Thema Einsamkeit ©MCI/Aaron Heimerl</p>

Expert:innen teilen ihr Statement zum Thema Einsamkeit ©MCI/Aaron Heimerl

<p>Lothar Müller, Theologe und ehemaliger Nationalratsabgeordneter ©MCI/Aaron Heimerl</p>

Lothar Müller, Theologe und ehemaliger Nationalratsabgeordneter ©MCI/Aaron Heimerl

<p>Studierende diskutieren mit Expert:innen ©MCI/Aaron Heimerl</p>

Studierende diskutieren mit Expert:innen ©MCI/Aaron Heimerl

<p>Studierende diskutieren mit Expert:innen ©MCI/Aaron Heimerl</p>

Studierende diskutieren mit Expert:innen ©MCI/Aaron Heimerl

<p>Expert:innen teilen ihr Statement zum Thema Einsamkeit ©MCI/Aaron Heimerl</p>
<p>Lothar Müller, Theologe und ehemaliger Nationalratsabgeordneter ©MCI/Aaron Heimerl</p>
<p>Studierende diskutieren mit Expert:innen ©MCI/Aaron Heimerl</p>
<p>Studierende diskutieren mit Expert:innen ©MCI/Aaron Heimerl</p>
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