Kritische Infrastruktur im Fokus

Date 21.08.2026

MCI Forschende entwickeln ein smartes Überwachungssystem für Tirols Strommasten

Wie lässt sich die Energieversorgung sichern, wenn der Klimawandel alpine Regionen mit Extremwetterereignissen, Hangrutschungen und schleichenden Bodenbewegungen vor besondere Herausforderungen stellt? Am MCI entsteht derzeit eine Lösung: Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Franz-Josef Falkner (Department Mechatronik / Forschungscluster Fluids & Mechanics) entwickelt ein digitales Frühwarnsystem im Sinne von „Predictive Maintenance“, welches die Gefährdung einzelner Strommasten frühzeitig erkennt und Ausfällen vorausschauend vorbeugt.

Strommasten sind vielfältigen Umwelteinflüssen ausgesetzt: Neben Korrosion geht insbesondere von (schleichenden) Hangbewegungen eine Gefährdung aus. Da neue Trassenführungen in Tirol aufgrund des knappen Siedlungsraums vom Tal in Hanglagen ausweichen, ist mit zunehmender Bedeutung dieser Thematik zu rechnen. Bislang erfolgte die Zustandskontrolle einzelner Strommasten in Form einer jährlichen Begehung der gesamten Leitungstrasse – mit dementsprechend großen Zeitabständen.  

Genau hier setzt die angewandte Forschung des MCI an: Im Strukturdynamiklabor wurde ein hochpräzises, eigenständiges Monitoring-System entwickelt, welches kontinuierlich und in kurzen Intervallen physikalische Schlüsselparameter wie beispielsweise Neigungen, Dehnungen, Beschleunigungen und Temperaturen erfasst. Diese Daten werden online übertragen und direkt ausgewertet. Ziel ist es, den aktuellen Zustand einzelner Strommasten aus dem Büro heraus beurteilen zu können und darauf aufbauend, frühzeitig geeignete Instandhaltungsmaßnahmen einzuleiten.

Nach der erfolgreichen Entwicklung und Montage des ersten Prototyps befindet sich das System bereits im Praxistest: An zwei Teststandorten im Tiroler Oberland wird die innovative Technologie derzeit auf ihre Validität und Verlässlichkeit geprüft. Das Forschungsprojekt läuft in enger Kooperation mit der TINETZ-Tiroler Netze GmbH und sieht noch bis Ende 2027 eine intensive Evaluierungsphase vor.

Kommt diese zu einem positiven Ergebnis, steht der nächste große Schritt bevor: Die Serienfertigung des MCI-Messsystems. Ziel ist es, sämtliche gefährdeten Streckenabschnitte in Tirol flächendeckend mit den smarten Sensoren auszustatten. So kann in der Zukunft ein dauerhaft sicheres und intelligent überwachtes Stromnetz in den Alpen entstehen.

Franz-Josef Falkner
Dr. techn. Franz-Josef Falkner Lecturer
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