Südafrika Study Tour: Lernen im globalen Kontext

Date 02.06.2026

Ein persönlicher Eindruck von Carl Egger zur Südafrika Study Tour

Während des gesamten Masterstudiums in Wirtschaftsingenieurwesen beschäftigten wir uns mit dem Thema „Zukunftsmarkt Afrika“ und mit der Frage, wie der Brückenschlag zwischen Europa und Afrika am besten umgesetzt werden kann. Diverse Gruppenarbeiten und Problemstellungen im ersten und zweiten Semester haben uns schlussendlich zur Studienreise an die Stellenbosch Universität in Südafrika gebracht. Die Reise wurde gemeinsam vom MCI, der Makerere Universität Uganda und der Stellenbosch Universität Südafrika organisiert und durchgeführt. Für Unterkunft und Verpflegung wurde seitens der Stellenbosch Universität gesorgt. Nur den Flug haben wir selbstständig organisieren müssen.

Angekommen an einem Montag in Kapstadt nach über 11 Stunden Nachtflug kam mir erstmal die Hitze entgegen. Wir Europäer kommen aus dem tiefsten Winter mit bis zu -10°C am Wochenende davor, in den Hochsommer Südafrikas und ich musste mich erst akklimatisieren. Zum Glück sind wir sehr früh gelandet und die Hitze war noch erträglich. Die Abholung, durchgeführt von Studierenden der Universität, die uns die zirka 40 Minuten von Kapstadt nach Stellenbosch brachten, war auch schon da.

Wir fuhren direkt in die Unterkunft der Universität, in welcher wir erstmal unsere Zimmer bezogen. Nachdem unser Programm erst am Dienstag gestartet hat, haben wir die Chance genutzt, um mit Paul die Stadt Stellenbosch zu erkunden, um uns die kommenden Tage zurechtzufinden. Paul ist der Verbindungsstudent der Universität Stellenbosch und begleitet internationale Studierende bei ihrer Eingewöhnung in Südafrika. Er nahm zudem selbst an der Summer School teil. Einige Kollegen wie Georg haben sofort den Berg bei Stellenbosch erklommen.

Am Dienstag startete die Vorlesungsrunde mit allgemeinen Sicherheitshinweisen und wie man sich zu verhalten hat. „We are not in Austria anymore!“ war für mich die Nachricht der Einweisung. Auch wenn Stellenbosch eine sehr sichere Stadt ist, muss man dennoch bestimmte Regeln beachten, um unliebsame Begegnungen zu vermeiden. Nachher bekamen wir noch eine Geschichtsstunde über die verschiedenen Stämme sowie den Einzug der Buren (das sind Niederländer) und später der Briten.

Das Südafrika in der Form, wie wir es heute kennen, entstand erst 1910 nach den Burenkriegen. Auch das Thema Apartheid wurde ausführlich besprochen und welch tiefe Spuren dies in der Gesellschaft hinterlassen hat. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Braai (Bezeichnung für eine Grillerei in Südafrika), welches ich dazu genutzt habe, Mitstudierende aus Uganda und aus Südafrika besser kennenzulernen.

Der Besuch im Township Kayamandi am zweiten Tag des Uni-Programms hat sehr gemischte Gefühle bei mir hervorgerufen. Auch wenn der Besuch für uns westliche Studierende sicherlich von Nöten ist, um uns wieder zu erden und das Elend besser verstehen zu können, so fühlte es sich für mich auch nach einer Art des ‚Zoobesuchs‘ an. Mir war es schlichtweg zu invasiv, dass wir viele Räumlichkeiten der Bewohner:innen gesehen und betreten haben. Wir haben in der Gruppe zwischen Menschen aus Uganda, Südafrika und Europa viel über diesen Besuch gesprochen und wie sehr es uns beschäftigt. Dies haben wir am nächsten Tag auch mit unseren Professor:innen geteilt und nochmals gemeinsam darüber gesprochen. Ich fand, dass dieses Gespräch des Aufarbeitens uns geholfen hat, das Erlebte zu verarbeiten.

Mit Donnerstag hat dann der Think Tank gestartet, dessen Ziel es war, Fragestellungen aus der Wirtschaft in einer multinationalen Gruppe auszuarbeiten und anschließend dem Gremium zu pitchen. Einst, in den vorherigen Semestern sehr theoretisch anmutende Fragestellungen zur Verbesserung der Lebensumstände in Teilen Afrikas, wurden nun greifbar und durch Gespräche mit den Ugandischen und Südafrikanischen Kommiliton:innen auch mit differenzierter Sichtweise bereichert.

Ich hatte das Glück, Teil einer sehr motivierten Truppe zu sein, welche innerhalb kürzester Zeit die Fragestellung sauber ausarbeiten konnte. Es hat mir richtig Spaß gemacht, in einer Gruppenarbeit wieder richtig gefordert zu werden. Zwischendrin fanden immer wieder Firmenpitches von Start-ups, die aus der Universität hervorgegangen sind statt, um uns eine Vorstellung zu geben, wie unsere eigenen Pitches am darauffolgenden Dienstag auszusehen haben.

Die Abende haben wir meist gemeinsam in einem guten Restaurant bei einem Glas Wein und ausgezeichnetem Essen verbracht. Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass ich in Stellenbosch das beste Steak in meinem bisherigen Leben gegessen habe.

Das gesamte Wochenende stand dann ganz im Zeichen des individuellen Erkundens. Mit einem Trip nach Kapstadt und einer Sightseeingtour sowie der Liftfahrt auf den Table-Mountain (Tafelberg) habe ich die gemeinsame Zeit mit meinen bekannten und neu-gewonnenen Freunden gut nutzen können und die lokale Kultur inhaliert. Vor der Rückfahrt nach Stellenbosch konnte ich noch das Kapstadt Aquarium besuchen, um die lokale Meerestierwelt zu erforschen. Ich kann hier nur empfehlen die Zeit ordentlich auszunutzen!

Am Sonntag haben einige motivierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter gemeinsam mit mir das untere Gipfelkreuz des Stellenbosch Hausbergs erklommen, das auf Afrikaans ‚Tweede Kruis‘ genannte ‚Zweite Kreuz‘, um den phänomenalen Sonnenaufgang gemeinsam mit mir zu genießen. Der frühe Start um 04:30 Uhr muss einem dabei egal sein. Am Nachmittag ging es dann an den Strand und ins angenehm warme Meer, bevor am Montag die finale Phase des Think Tanks begann.

Der Think Tank endete am Dienstag mit den Pitches vor der Kommission aus Professor:innen und Selbstständigen aus Europa und Afrika, bei welchem wir mit unserem Thema „Afri-Hydro“ - Wasserstoffversorgung für abgelegene Orte in Afrika den zweiten Platz belegen konnten. Die Auszeichnungen wurden beim Abschluss-Dinner auf dem wunderschönen Weingut „Seven Sisters“ überreicht und die gemeinsame Zeit nochmals intensiv für tiefe Gespräche und viel Gelächter genutzt.

Am Donnerstag haben wir dann unsere Koffer gepackt und die Stellenbosch-Hoodies bekommen, welche den Abschied damit final besiegelt haben. Tiefe Wehmut hat mich ergriffen, weil ich nun realisiert hatte, dass die gemeinsame Zeit mit liebgewonnenen neuen Freunden zu Ende geht und ich sie nicht mehr so bald sehen würde. Dennoch kann ich mit Stolz sagen, dass ich den Kontakt mit einigen Personen weiterhin pflege und hoffe, sie bald wieder sehen zu können.

Alles in allem war es eine besondere Erfahrung, die es mir ermöglicht hat, tolle Erinnerungen zu sammeln und mich persönlich weiter zu entwickeln. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies nicht der letzte Besuch in Afrika und Südafrika war.

Persönliche Nachricht für die kommenden Studierenden:

Ich kann jedem Studenten nur wärmstens empfehlen diese Reise durchzuführen und euch voll und ganz auf das Erlebnis einzulassen. Nutzt die Zeit, verliert die Scheu und sprecht mit euren Kommiliton:innen aus Uganda und Südafrika. Es bringt euch keinen Mehrwert in eurer europäischen Blase zu bleiben. Sprecht Themen an, die ihr schon immer wissen wolltet. Ihr werdet überrascht sein, wie viel ihr dabei lernen könnt und wie wunderschön der südlichste Teil Afrikas ist. Ich wünsche euch viel Spaß bei der Reise!

Grüße

Carl

<p><span sans-serif=Impressionen der Studytour nach Südafrika ©MCI/Carl Egger

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Impressionen der Studytour nach Südafrika ©MCI/Carl Egger

<p>Auf dem Weg ins Unbekannte ©MCI/Carl Egger</p>

Auf dem Weg ins Unbekannte ©MCI/Carl Egger

<p>Programmeinführung ©MCI/Carl Egger</p>

Programmeinführung ©MCI/Carl Egger

<p>Impressionen der Study Tour nach Südafrika ©MCI/Carl Egger</p>

Impressionen der Study Tour nach Südafrika ©MCI/Carl Egger

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<p>Auf dem Weg ins Unbekannte ©MCI/Carl Egger</p>
<p>Programmeinführung ©MCI/Carl Egger</p>
<p>Impressionen der Study Tour nach Südafrika ©MCI/Carl Egger</p>
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