Manuel Spörr, Masterabsolvent Wirtschaftsingenieurwesen, wurde mit dem LIST Förderpreis 2026 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und zeichnet Abschluss- bzw. Projektarbeiten mit einem zukunftsorientierten Beitrag zur Lösung von Verkehrs- und Parkproblemen in Städten aus. Die Jury würdigt damit seine herausragenden Leistungen und seinen besonderen Beitrag zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung mit internationalem Bezug.
Manuel führt uns untenstehend in sein Masterarbeitsthema ein:
„Im Rahmen meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit der Frage, wie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Parkgaragen nutzerfreundlicher, effizienter und zukunftsfähiger gestaltet werden kann. Unter dem Titel ‚Von der Tankstelle zur Ladestation: Infrastrukturmodelle und zukünftige Entwicklungen der Elektromobilität mit Schwerpunkt auf Parkgaragen – ein Vergleich zwischen Österreich und China‘ wurde untersucht, welche technologischen und organisatorischen Ansätze dazu beitragen können, den Ausbau der Elektromobilität im urbanen Raum zu verbessern.
Ausgangspunkt der Arbeit war die Beobachtung, dass Parkgaragen im Vergleich zu klassischen Tankstellen besondere Herausforderungen aufweisen. Ladepunkte sind häufig schwer auffindbar, die baulichen Gegebenheiten begrenzen die Installation zusätzlicher Infrastruktur, und unterschiedliche Zugangssysteme sowie Bezahlmodelle erschweren die Nutzung. Gerade in bestehenden Tiefgaragen stellen Netzanschluss, Brandschutz, Platzverfügbarkeit und Nutzerführung zentrale Hürden dar. Gleichzeitig bieten Parkgaragen großes Potenzial, da Fahrzeuge dort oft über längere Zeiträume abgestellt werden und Ladeprozesse gut in alltägliche Mobilitätsroutinen integriert werden können.
Ein besonderer Bestandteil der Masterarbeit war eine Feldstudie in Shanghai. Vor Ort wurden verschiedene Parkgaragen und Ladeeinrichtungen analysiert, fotografisch dokumentiert und mit den österreichischen Gegebenheiten verglichen. Die Durchführung dieser Feldstudie war mit mehreren Herausforderungen verbunden. Neben sprachlichen und kulturellen Barrieren mussten auch lokale Nutzungsgewohnheiten, digitale Bezahlsysteme und organisatorische Abläufe verstanden werden. Durch die Unterstützung einer chinesischsprachigen Begleitperson konnten Beschilderungen, App-basierte Zugangssysteme und informelle Gespräche mit lokalen Akteuren dennoch systematisch in die Analyse einbezogen werden.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen Österreich und China. Während Österreich vor allem durch fragmentierte Systeme, technische Nachrüstungsprobleme und uneinheitliche Nutzererlebnisse geprägt ist, zeigt China eine stärker digital integrierte und standardisierte Ladeinfrastruktur. Besonders auffällig sind dort QR-Code-basierte Zugänge, transparente Preissysteme, klare visuelle Kennzeichnungen und digitale Echtzeitinformationen.
Aus der Arbeit wurden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet. Dazu zählen eine bessere Standardisierung von Zugangssystemen, klare Beschilderung, intelligentes Lastmanagement, frühzeitige Ladeinfrastrukturplanung bei Neubauten sowie nutzerorientierte Tarif- und Reservierungsmodelle. Die Masterarbeit leistet damit einen praxisnahen Beitrag zur Weiterentwicklung urbaner Ladeinfrastruktur in Österreich und zeigt, dass technologische Innovation nur dann wirksam wird, wenn sie konsequent mit Nutzerfreundlichkeit, Planungssicherheit und organisatorischer Klarheit verbunden wird.“
Wei Manske-Wang, Leitung des MCI China Center, gratuliert: „Es handelt sich um eine herausragende Masterarbeit mit internationalem Bezug und zugleich klarem regionalem Nutzen. Besonders bemerkenswert waren die eigenständige Recherche vor Ort in Shanghai sowie die intensive Auseinandersetzung mit der städtischen EV-Ladeinfrastruktur in China. Für mich bestätigt diese Auszeichnung einmal mehr, wie sehr internationales Know-how regionale Lösungen bereichern kann. Es freut mich sehr, dass diese Leistungen nun auch offiziell gewürdigt wurden. Herzlichen Glückwunsch an Manuel Spörr und das Department Wirtschaftsingenieurwesen!“
Prof. Gerhard Hillmer (l.) und Prof. Wei Manske-Wang (r.) gratulieren Manuel Spörr (m.) ©MCI/Aaron Heimerl
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