15. Juni 2021

Die Auswirkung der COVID-19 Pandemie auf die Psyche von Mitarbeiter/innen

Studie über die psychischen Auswirkungen auf Arbeitnehmer/innen und wie Führungskräfte darauf reagieren können.

Die COVID-19-Pandemie hat das Arbeitsleben von Millionen Menschen auf den Kopf gestellt und es ist schwer zu sagen, wie lange die Auswirkungen dieser Krise zu spüren sein werden. Dr. Andrea Derler, Senior Lecturer Learning Solutions, MCI | Die Unternehmerische Hochschule® in Innsbruck führte in ihrer Rolle als Senior Director, Industry Research beim NeuroLeadership Institute in den USA eine Umfrage unter 688 Teilnehmern (US-Arbeitskräfte) zum Thema durch.

Ziel der Studie, die zwischen April und Mai 2020 durchgeführt wurde, war zu erfahren, wie Berufstätige die Auswirkungen der Pandemie erlebt haben, welche psychischen Bedürfnisse damals am stärksten ausgeprägt waren und was Führungskräfte tun sollten, um auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen, um in diesen schwierigen Zeiten Optimismus und Vertrauen in ihre Organisationen bewahren.

Die Daten deuten darauf hin, dass die Migration zur Remote-Arbeit, gefolgt von Umsatz- und Gewinnverlusten der Unternehmen, und der Übergang zum virtuellen Lernen, die größten Auswirkungen auf die Mitarbeiter hatte (siehe Abbildung).

15 Impact

Quelle: Industrieforschung, NeuroLeadership Institut, 2020

 

Obwohl die Telearbeit in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen hatte, wurde die Arbeit von zu Hause aus für viele Mitarbeiter zur neuen Realität – mit erheblichen Folgen für die psychische Verfassung der Mitarbeiter: 50% der Befragten gaben an, von einer Woche zur nächsten erhöhte Angstzustände zu haben.

Steigende Angstzustände wurden jedoch nicht gleichermaßen gespürt. Probleme mit der Kinderbetreuung, COVID-19-Infektionen oder ein Personalabbau in Unternehmen führten beispielsweise zu einem deutlich höheren Angstniveau als Dinge wie die Bewältigung von Gesundheits- und Sicherheitsproblemen, niedrigere Einnahmen und Gewinne oder weniger Geschäftsreisen (siehe Graphik).

15 Anxiety Differences

Quelle: Industrieforschung, NeuroLeadership Institut, 2020

 

Der Teamzusammenhalt hingegen wirkte in der virtuellen Welt als Angstreduzierer: Mitarbeiter, die von der Umstellung auf Remote-Arbeit am stärksten betroffen waren, sich aber als Teil eines Teams fühlten, erlebten deutlich geringere Angstzustände als Jene ohne starken Teamzusammenhalt.

 

Silberstreifen am Horizont: Was Mitarbeiter in Krisenzeiten brauchen

Die Daten deuten auch darauf hin, dass bestimmte Komponenten in der Arbeitskultur Mitarbeitern halfen, selbstbewusst und optimistisch zu bleiben:

  • Klare Regeln und Arbeitsordnungen (Gewissheit/Certainty),
  • Teil eines Teams sein (Verbundenheit/Relatedness), und
  • Ausreichende Erklärungen zu getroffenen Entscheidungen erhalten (Gerechtigkeit/Fairness)

Diese Aspekte in der Arbeitsumgebung von Mitarbeitern prognostizierten den Grad des Vertrauens in die Fähigkeit ihrer Organisationen, die Auswirkungen der Pandemie zu überleben (siehe Abbildung 4).

15 SCARF

Quelle: Industrieforschung, NeuroLeadership Institut, 2020

Aus psychologischer Sicht macht das Sinn: Gerade in der Frühphase dieser Krise hatten Mitarbeiter besonders starkes Verlangen nach weiteren Informationen über die Krise selbst und den Aktionsplan ihrer Organisation (Gewissheit), verspürten Sorge über die Stärke ihrer sozialen Bindungen in einer virtuellen Welt (Verbundenheit) und den Wunsch nach Klarheit, dass jede Vorgehensweise innerhalb der Organisation fair kommuniziert wird (Fairness).

Was sollten Führungskräfte in Krisenzeiten tun?

Auch wenn viele Unternehmen im Verlauf der Krise schnell reagierten, beispielsweise durch das Angebot von Pandemieurlaub, Zuschüssen zur Kinderbetreuung sowie Initiativen zum Wohlergehen, deuteten die Daten darauf hin, dass Führungskräfte mehr tun können, um das Vertrauen und den Optimismus bei den Mitarbeitern aufrechtzuerhalten.

Weitere Analysen zeigten auch, dass es spezifische Praktiken gibt, die stark mit dem Vertrauen der Mitarbeiter korrelieren (siehe Tabelle):

15 Graphik Org Practices

Quelle: Industrieforschung, NeuroLeadership Institut, 2020

 

Fazit

Wir alle waren von den Auswirkungen der Pandemie betroffen – in unterschiedlicher Weise – und die psychologischen Bedürfnisse der Mitarbeiter nach Sicherheit, Verbundenheit und Fairness waren besonders in den Anfangsphasen der COVID-19 Pandemie stärker denn je. Die große Erkenntnis für Unternehmensleiter aus dieser Studie ist, dass das Wissen um die sich ändernden Bedürfnisse ihrer Belegschaft und die aktive Arbeit daran, ein Gefühl von Vertrauen und Optimismus zu schaffen, die Hauptverantwortung von Führungskräften in Krisenzeiten sind.

Da die COVID-19-Pandemie weltweit langsam abklingt, ist das Risiko, „zurück zur Normalität“ zurückzukehren, hoch. Diese Studie unterstreicht aber generell, wie wichtig es für Führungskräfte ist, die psychologischen Bedürfnisse der Menschen zu verstehen, darauf zu reagieren und mit erhöhter Transparenz, positiver Vorbildfunktion und klaren Zielen zu handeln, wenn es schwierig wird – jetzt und in den kommenden Krisen.

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